LIEBLINGSOBJEKT
VON ELISABETH PREM
49. JG./2014- 105
Rauf
werk
zeug
49. JG./2014-106
2013 präsentierte das Volkskundemuseum in der Ausstel-lung„ Objekte im Fokus: Hieb. Stich. Schuss. Waffen in derSammlung des Volkskundemuseums" neben Gewehrenund kunstvoll gearbeiteten Prunkmessern auch eine Gruppevergleichsweise derber Knüppel, die Raufwerkzeuge.Das ausgewählte Objekt( am Foto das zweite von rechts) istetwa 32 cm lang und hat die Inventarnummer ÖMV/ 15.107.Der Griff besteht aus einem Ochsenziemer, auf dessenEnde ein Bleikopf mit einem eingearbeiteten Stück Eisengesteckt wurde. Die an den Kanten herausgearbeitetenZacken lassen erahnen, dass selbst mit dieser plumpenWaffenart Kontrahenten schwer verletzt werden konnten.Bezeichnenderweise wurden solche Knüppel auch als,, Totschläger" inventarisiert. Zum Einsatz kamen sie beiWirtshausraufereien im oberösterreichischen Innviertel.In dieser Gegend schlossen sich die unverheiratetenBurschen eines Dorfes in Zechen zusammen. Sie dientender Freizeitgestaltung, der Innviertler Landla( sic!), einkomplizierter und anspruchsvoller Tanz, wurde einstudiert,um bei festlichen Anlässen zum Besten gegeben zu wer-den. Bei solchen Zusammenkünften konnte es allerdingspassieren, dass Zechen aus verschiedenen Orten in Streit
Foto: C. Knott, ÖMV
gerieten. Dann wurden die gut in der Hand versteckbaren Knüppel gezückt,und während in der Gaststätte das Licht erlosch, um den Raufereien ein Endezu bereiten, erlitten die Kontrahenten zum Teil schwere Verletzungen. Es gibtauch Exemplare, bei denen in den Schlagteil Messerklingen oder Sensens-plitter eingearbeitet sind.
Die Herkunft des abgebildeten Raufwerkzeuges deutet darauf hin, dass einInnviertler Bauernbursche damit vermutlich tatsächlich jemanden geschla-gen und es möglicherweise im Rahmen eines Strafprozesses als Beweismittelgedient haben könnte. Neben mehreren ähnlichen Hieb- und Schlagwerk-zeugen wurde es nämlich vom seinerzeitigen Strafrichter des GerichtesOberberg, Adj. Dr. Pauli, gesammelt und in weiterer Folge 1905 von k. u.k. Ministerialrat Dr. Heidlmaier dem Volkskundemuseum geschenkt. Auchwenn die Oberösterreichische Statthalterei gegen die Verwendung solcherKnüppel vorging, waren sie auch nach 1905 noch Teil der gelebten Volks-kultur. Dass Jugendliche schon lange vor dem Aufkommen von gewaltver-herrlichenden Videospielen und Filmen Lust an Gewalt und deren Eskalationempfanden, verdeutlicht dieses Raufutensil. Während letzteres sicher imMuseumsdepot verwahrt ist, muss sich auch die heutige Gesellschaft nochder Herausforderung der Aggressionsvermeidung stellen.
Elisabeth Prem hat in Wien und Dublin Kunstgeschichte studiert, sie lebt undarbeitet in Wien. 2009 und 2010 hat sie am Volkskundemuseum vorwiegendObjekte aus der Metallsammlung inventarisiert. Zurzeit arbeitet sie nebenbe-ruflich an der Digitalisierung einer Sammlung von Kerzenleuchtern.