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Kefirkultur- experimentelleSelbstversorgung

Alles in der Welt hat eine Vorgeschichte, so auchunser Kernthema. Es war 1974, unsere Kinder warennoch winzig bzw. nicht auf der Welt, und meine Frauund ich hatten in Niederösterreich ein Grundstücksamt Keusche gekauft. Dort wollten wir gesundesGemüse" für den Babygatsch anbauen.

Dem käuflichen Glaslfutter für die Kleinsten begeg-neten wir mit mehr oder weniger gesundem Misstrau-en. Also Gemüsebau, und natürlich biologisch, undwenn schon denn schon, biologisch dynamisch! Wirwaren damals relativ früh dran, wir haben eine biolo-gische Nische bevölkert. Als Stadtkinder hatten wirvon der ganzen Angelegenheit wenig Ahnung, unddie Bio- Ratgeber waren auch nicht omnipräsent. AlsInformationsquellen hatte ich ein Gartenbau- Buchvon 1913, die Freihandbibliothek der Boku und alsHoffnungsgebiet das dortige Institut für Obst- undGemüsebau. Als ich dort nach der Biologisch Dyna-mischen Wirtschaftsweise( begründet 1924) fragte,beschied man mir, das sei, alles noch so neu", darü-ber wisse man nichts.

Viele Jahre später, so um 1995, ist er plötzlich aufge-taucht, der Kefir. Er war in aller Munde, virtuell aufallen Gassen. Es hieß, er sei so wahnsinnig gesund,

und die Kaukasier, die ihn schon seit Tausenden vonJahren trinken, würden alle über hundert Jahre alt.Das allein wäre für mich kein Grund gewesen, ihnzu trinken, denn ich hatte längst beschlossen, nichtHundert zu werden. Das ewig gleiche Geschwafel derPolitiker und Experten für Alles und Jedes ging mirdamals schon auf die Nerven. Aber Gesundheit fürdie Familie, das war durchaus ein erstrebenswertesZiel. Wie uns der Kefir- Pilz wirklich ins Haus gestan-den ist, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Auf ein-mal war er da. Das war auch keine Kunst, denn nachArt der Dealer wurde er überall gehandelt. In derDrogerie oder auch im Schuhgeschäft konnte manihn bekommen, oder er wurde einem angeboten. DieBedienungsanleitung wurde jeweils mündlich mitge-liefert: Milch kochen, abkühlen lassen, den Pilz in dielauwarme Milch in ein blitzsauberes Deckelglas ge-ben, warm und dunkel einen Tag stehen lassen unddann abseihen. Das Getränk ist dann verwendbar,der Pilz muss gewaschen werden und kommt sofortin die neue Milch. Perpetuum Mobile. Das lässt sichmachen! Los geht's!" Das Produkt Kefir schmeck-te etwas ungewohnt, aber gar nicht schlecht. Nacheinigen Produktions- Durchgängen entwickelte ichgeradezu eine persönliche Beziehung zu dem Pilz,

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50. Jahrgang