Heft 
60 (2025) 4
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26D I G I TA L E S M U S E U MErweiterung derdigitalen SammlungenDer Verein für Volkskunde konnte bei derzweiten Ausschreibung der FörderschieneKulturerbe digital des Bundesministeriumsfür Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und SportBMWKMS eine Projektförderung einwerben.Das Projekt läuft seit 1. Oktober 2024 undnoch bis Ende April 2026.Die Erweiterung des Angebots der OnlineSammlung Plus wird ca. 3.600 zusätzlicheObjekte mit ca. 6.700 Digitalisaten umfas-sen. Die vielfältigen Bestände sind Porzel-laneinsätze für Bierkrugdeckel, Haarbilder,Stickmustervorlagen, Kinderbücher vonEleonore Grant, Bauchranzen, Textilien ausdem Bestand Emilie Flöge und 21 3D-Modellezum ThemaEntdecken. Aus dem Archivwird der handschriftliche Nachlass von Euge-nie Goldstern digitalisiert. Die Fotosammlungerschließt Fotografien von der Demonstra-tion Lichtermeer 1993 und der SamtenenRevolution in Prag und Bratislava 1989, einKonvolut an Cartes de Visite und Cartes deCabinet sowie die Dias mit den Inventarnum-mern 1.001 bis 2.000.Ein Teilprojekt befasst sich mit der kriti-schen Kontextualisierung problematischerBegriffe in originalen Textstellen(z. B. Werk-titel, OCR-Volltexte, Transkriptionen). Dazuwird ein Texterkennungs-Tool entwickelt,das erlaubt, diese Begriffe(inkl. Kompositaund flektierten Wortformen) aus definiertensemantischen Räumen zu indexieren, an derStelle des Auftretens zu kennzeichnen undinteraktiv mit kritischen Kommentaren auseinem hinterlegten, redaktionell gestaltetenGlossar zu kontextualisieren.Als erster Objektbestand gingen dieFotografien vom Lichtermeer online. Mit deneindrucksvollen WortenDas Lichtermeerwar ein Meer und das Meer ist unbesieg-bar. kommentierte Friedrich Verzetnitsch,damaliger Präsident des ÖsterreichischenGewerkschaftsbundes(ÖGB), eines dergrößten zivilgesellschaftlichen Ereignisse derZweiten Republik: das sogenannte Lichter-meer, das am 23. Januar 1993 in Wienstattfand und vom Verein SOS Mitmenschorganisiert worden war.Bis zu 300.000 Menschen versammel-ten sich auf dem Heldenplatz und in denangrenzenden Straßen des 1. Bezirks, ummit Kerzen, Fackeln und stiller Präsenz einstarkes Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit,Ausgrenzung und eine zunehmend polarisie-rende, weil sich immer weiter verschärfende,Migrationspolitik zu setzen.Auch das Volkskundemuseum Wienverstand sich in diesem Moment als gesell-schaftlich und demokratisch engagierte Ins-titution. Die Gelegenheit, dieses bedeutendeEreignis aus nächster Nähe zu dokumentie-ren, wurde aktiv genutzt. Die Museumsmit-arbeiter:innen Bernhard Tschofen, MargotSchindler und Franz Grieshofer machten sichauf, um das Geschehen fotografisch festzu-halten. Im Fokus standen die Teilnehmen-den, das Lichterbild, die Atmosphäre sowieverteilte Materialien der Organisation SOSMitmensch. Das erhaltene Material umfasstStreifennegative, Kontaktabzüge, Positive,acht Postkarten und einen Sticker.Elisabeth Egger, Tamara HauerDigitale SammlungenDas Konvolut ist abrufbar unter: sammlung.volkskunde-museum.at/sammlungen/topic/titles/311897