Heft 
H. 3+4
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

49. JG./2014- 25

SCHAUFENSTER

GESTELLT.

Fotografie als Werkzeug inder Habsburgermonarchie

Die Fotosammlung des Volkskundemuseums enthält tausende typo-logisierende und typologisierte Bilder: die sogenannten Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag  Volkstypen-eine gegen Ende des 19. Jahrhunderts zirkulierende Bildform. Wie undwarum wurden am Ende der Habsburgermonarchie so intensiv Bildervon ethnischen Typen entworfen? Was erzählen uns diese visuellen Klassi-fizierungen heute? In der Ausstellung Gestellt. Fotografie als Werkzeugin der Habsburgermonarchie" wird diese Bildproduktion und ihre Wirkungim Zusammenhang mit der politischen und gesellschaftlichen Formierungder Nationalitäten in der Habsburgermonarchie beleuchtet.Reflektiert wird dies ausschließlich mit Exponaten aus der Fotosammlungdes Volkskundemuseums. An Hand dieser umfangreichen Materialienwird eine Konstruktion nachgezeichnet, die durch die große Anzahl antypologisierenden Aufnahmen und deren Verwendung in Publikationenaus jener Zeit visualisiert wird. Inszenierte Studioporträts von regionalenTypen vor allem aus Zentral- und Osteuropa- wie ,, Tiroler Schütze",, huzu-lischer Bauer" und andere Figuren in Tracht- kursierten in fotografischenSammelalben aber auch als Illustrationen in ethnografischen Publika-tionen. Weiters werden unter anderem fotografische Ergebnisse vonanthropometrischen Messungen, der Kaiserhuldigungsfestzug 1908, undauch Reproduktionen dieses Bildmaterials in Zeitschriften und Büchernpräsentiert. Es soll der Zirkulationsraum dieser Bildmedien ebenso skizziertwerden wie die Rolle dieser fotografischen Kartographie des Volkes in derKonstruktion von Identität und Differenz.

Die Ausstellung kann den Umfang dieses Bildphänomens zu Beginndes 20. Jahrhunderts nur andeuten. Sie wird dem vielfältigen Umgangmit diesen Bildern in ihrer Zeit nachgehen.