RUBRIK
Strandgut Stadt/Wohnung:
Inmitten von
Dingen sein
SMOOTH OPERATOR
49. JG./2014- 49
49. JG./2014-50
Ich bin eine Aufklauberin. Manchmalverliere ich Gefundenes noch am selbenTag, wenn die Taschen Löcher habenoder ich den leichtgewichtigen Kleinkrambeim Herausziehen eines Taschentuchsunbemerkt der Stadt wieder zurück-gebe, dann denke ich: Macht ja nichts,so reguliert sich der Bestand meinerWunderkammer von selbst. Manchmaltreten Papierchen erst Wochen späterin der Tasche verwurschtelt zum Vor-schein oder werden in Kleidungsstückenmit gewaschen( soeben habe ich über-prüft, ob ich die beiden roten Stanniol-herzblättchen, die ich vorgestern amGraben fand, aus der Hosentaschebefreit habe).
, Ich suche nicht, ich finde, könnte auchder Satz einer Elster sein, angezogen
von allem Glitzernden und Schim-mernden, von Dingen, die Entzückunghervorrufen: das Zauberhafte.
Der gefundene Gegenstand', schriebschon André Breton ,, nötigt dem Be-trachter einen abnorm verlängertensinnlichen Kontakt mit ihm auf und locktihn immer wieder, seinem konkretenDasein nachzusinnen.' Umso schwieriger,wie SammlerInnen wissen, sich von denDingen der Schatzkiste wieder zu trennen.Als zwei Freundinnen und ich vor dreiJahren den Verein, Nebenkammer'gründeten, wollten wir die Welt der( nicht- kommerziellen) SammlerInnenmitsamt ihrer Strategien erforschenund ausstellen; ein Vorhaben, das wiraufgrund mangelnder Interessentinnenruhend legen mussten.
So klaube ich also weiter und glaubean das Museum in den eigenen vierWänden. Sich zu umgeben wissen unddarin sich aufgehoben zu fühlen ist keinbiedermeierlicher Appell sondern vieleher ein Akt des Sich- Widmens, zeitlichwie persönlich. Das betrifft nicht nur diegefundenen Dinge, man denke an dasEigenleben auf dem Schreibtisch, denausgeräumten Inhalt einer Tasche alsReady- Made, das Bild, das der Fotoap-parat einfängt, wenn man ihn absichts-los abstellt und eben dort noch einmalabdrückt: Sich inmitten von Kompositio-nen befinden und diese von Zeit zu Zeitbewusst wahrnehmen.
Rosemarie Pilz, Februar 2014
Rosemarie Pilz, freie Autorin, geboren 1983, betreut seit Juni 2013 die Facebook- Seite des Österreichischen Museums für Volkskunde.Sie studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien/ Paris, sowie Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien.Als Buch erschienen:„ Das Portrait als Film. Zwischen sujet trouve und fabula rasa"( lit- Verlag Wien 2011). 2012/13 erhielt sie Arbeitssti-pendien des BMUKK, 2012 das Start- Stipendium des Bmukk, 2013 war sie Autorenstipendiatin der Stadt Wien.
Strandgut Stadt/ Wohnung Rosie Pilz