LIEBLINGSOBJEKT
VON NORA WITZMANN
Wetter
segen
49. JG./2014
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In den Sammlungen des Museums befinden sich zwei sogenannte Wettersegen. Bei diesen Objekten handelt es sichum gerahmte Amulett- und Reliquienkonglomerate, wie sieetwa auch bei den Breverln zu finden sind. Diese verschlieẞ-baren Amulette waren aber mehr dem persönlichen Schutzvorbehalten und dafür geeignet, auf Reisen mitgenommenzu werden. Die frei hängenden Wettersegen sollten hingegenHaus, Hof, Menschen und Tiere vor Unwettern und anderenGefahren bewahren.
Der hier vorgestellte Wettersegen stammt aus dem 18.Jahrhundert und trägt die Inventarnummer ÖMV/ 22.993.Der beidseitig verglaste scheibenförmige Behälter mitgedrehtem Profilholzrahmen hat einen Durchmesser von20 cm. Die Vorderseite ist mit einer Material collage ver-schiedenster Reliquien, Sakramentalien und Devotionalienbedeckt, welche in die, aus einem Harz- Wachs- Gemischbestehende Modelliermasse eingebettet sind. Die Rückseitezeigt kreisrund angeordnete und in acht Ringe untergliederteSegens- und Beschwörungsformeln auf hellem Papiergrund.Der Aufhänger ist hier aus einem einfachen Messingdrahtgefertigt.
Im Zentrum befindet sich ein Hausenblasen relief mit demHI. Ignatius von Loyola. Darüber befindet sich ein bedruck-tes Stoffstück mit dem HI. Rock von Trier, rechts davon einDonauwörtherkreuz mit Pietà und Zachariassegen aus Mes-sing, darunter ein Caravacakreuz, links ein Scheyrerkreuzund ein Sebastianspfeil, im unteren Teil eine Nepomuks-zunge. Die Zwischenräume sind mit zahlreichen geprägtenMessingmedaillen mit Heiligendarstellungen sowie kleinen,ehemals farbig gefassten Schabfigürchen und Naturstoffen,wie Samen ausgefüllt. 24 Reliquiare in Form von textilbe-zogenen Papprechtecken unterschiedlicher Farbe undMusterung sind von grün oder rot gerandeten und schwarzbedruckten Cedulae überfangen. Die Reliquienpartikel sindnicht sichtbar. Neben den Märtyrerreliquien gibt es aucheine Reliquie mit der Milch der Gottesmutter. Der schlechteErhaltungszustand der Vorderseite erschwert allerdings dieLesbarkeit und Zuordnung.
Das Objekt kam 1909 in das Volkskundemuseum und wurde damals als„ Reliquienmedaillon;rückwärts eine astrologische Tafel? oder Wettersegen" katalogisiert. Das Stück wurde imAntiquitätenhandel erworben, der Ankaufsort Wels spricht für einen Herstellungs- undVerwendungsort im süddeutsch- österreichischen Grenzgebiet. Weiterführende Literatur,insbesondere zu den Segens- und Schutzformeln auf der Rückseite: Kürzender, Christoph:Als die Dinge heilig waren. Gelebte Frömmigkeit im Zeitalter des Barock. Regensburg 2005
Wetter segen Vorderseite
ÖMV, Foto: C. KnottWettersegen Rückseite ÖMV, Foto: C. Knott
Die Autorin ist Kuratorin am Volkskundemuseum.