Heft 
H. 5+6
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Most

Einige Tage Urlaub am Mondsee. Am zweitenTag wollen wir eine Reinanke essen und fragenunseren Quartiergeber nach einem gutenRestaurant. Zu unserer völligen Überraschungbekommen wir zur Antwort, dass es so etwasgar nicht gäbe, niemand böte Mondseefischan. Doch, ein Restaurant fällt ihm ein, zwischenAtter- und Mondsee gelegen, dort sollten wir esversuchen.

QUALITÄTOBST

KOST

Der Fisch war hervorragend, das Lokal wunder-bar. Ich nahm zum Fisch Apfelmost, Wein ausÄpfeln. Ein Wagnis, möglicherweise einer über-mütigen Urlaubslaune geschuldet. Most kannteich aus meiner Kindheit und damals war er meistvon zweifelhafter Qualität. Aber, und das wardie zweite große Überraschung, dieser Apfel-most war fehlerfrei, ein intensives Apfelaromaentfaltete sich am Gaumen, leicht säuerlich,ein idealer Genuss und großes Vergnügen andiesem Sommerabend.

Zurück in Wien, wollte ich den beiden Überra-schungsmomenten meines Urlaubs nachspüren.Warum erhält man am Mondsee keinen Fischaus dem See? Und wie war dieser köstliche,erfrischende und vollmundige Most zu erklären?

Die erste Frage erläuterte mir ein Freund,Biologe. Das, Problem' sei, dass die Salzkam-mergutseen zu sauber sind, dadurch kann sichnur wenig Biomasse bilden, die Fische bleibenklein, bzw. brauchen lange für ihr Wachstum.Lächelnd erzählte er mir, dass in der Nähe desTraunfalls beispielsweise Steckerlfische aus demAtlantik angeboten würden. Verblüffend.

Mein zweites Erlebnis eröffnete mir eine neueWelt. Unbemerkt von der Öffentlichkeit hatsich in der Mostproduktion eine stille Revolu-tion ereignet. Most wird mittlerweile erzeugtwie Traubenwein von Topwinzern. Währendbeim Traubenwein der Weinskandal die positiveWende brachte, war es einigen wenigen Pionie-ren in den 90er Jahren zu verdanken, dass Mosteine bis dahin unbekannte Qualität erreichte.

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50. Jahrgang