LIEBLINGSOBJEKT
,, Und jetzt alle gemeinsam!: Stube"
,, Wie wird der Raum bezeichnet, in dem wir uns hier befinden?", wäre die Fra-ge, die ich Kindern bei einer Führung durch die ständige Schausammlung zujener Antwort im Titel gestellt hätte.„ Eine Stube. Und was ist eine Stube?"
Tirolerstube, Foto: Craig Dillon, O VKM
FORVM- 1700
Der als Tiroler Stube bezeichnete Ausstellungsraum ist zentraler Bestandteil einer Vielzahl vonVermittlungsprogrammen für Kinder und Jugendliche. Was macht die Stube so reizvoll für dieVermittlung? Wie verändern sich die Bedeutungen der Stube durch ihre Einbettung in unterschied-liche Vermittlungsprogramme? Nicht das Objekt und die Frage nach seiner regionsspezifischenHerstellungsweise soll Thema meines Beitrages sein. Vielmehr will ich die Stube in ihrer gegenwär-tigen Verwendung und Verwertung in den Blick nehmen.
Die Stube wurde um 1700 in einem Hof in Pettneu am Arlberg in Tirol erbaut. Das Museum erwarbsie 1913 und seit 1917 ist sie Teil der ständigen Sammlung des Österreichischen Museums fürVolkskunde. Seither fungiert sie als Objekt, losgelöst von ihrer früheren Bedeutung und ihremNutzen. Die aus Holz getäfelte Stube besteht aus einer Sitzbank, einem Tisch, Stühlen, einemOfen, der an Stelle des Originalofens eingebaut wurde, einer Ofenbank, einer kleinen Kammer miteinem Bettgestell, einer Waschecke und einer Wanduhr. Die Zusammensetzung der Stube dientweniger der Rekonstruktion eines vermeintlichen Originalzustands, vielmehr steht sie beispielhaftfür bäuerliche Alltagskultur früherer Zeiten.
Seit dem Jahr 2000 ist die Tiroler Stube nicht mehr nur Ausstellungsobjekt, sondern unverzichtbarer
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50. Jahrgang