30I N T E R V I E WClubkultur lässt sich musealisieren!Interview mit Martina Brunner, der inhaltli-chen Leiterin der Vienna Club Commission(VCC), über das Wiener Nachtleben, Feiernals Kunstform und Clubkultur im MuseumWas bedeutet„Clubkultur“ für dich –speziell im Kontext von Wien?Ich verstehe Clubkultur grundsätzlich alsein soziales, kulturelles und wirtschaftlichesKonstruktionsphänomen – in jedem Kontext.sehe ich als essenzielles Angebot, das auskeiner Stadt wegzudenken ist.Inwiefern ist das Angebot von Clubkulturwichtig für Urbanität, Stadtentwicklungund die Attraktivität einer Stadt?Für viele Menschen ist ein lebendiges Nacht-leben ein triftiger Grund, überhaupt erstin eine Stadt zu ziehen oder dort zu bleiben.Gleichzeitig gilt es, eine Balance zwischenden arbeitenden, den feiernden undden schlafenden Stadtbewohner:innenauszuhandeln.Das musst du uns näher erläutern.Clubkultur an sich zeichnet sich vor allemdurch den Fokus auf Programm aus – sei esauditiv, visuell oder performativ. Im bestenFall ist es sogar eine Verschränkung verschie-dener Kulturformen. Darüber hinaus kannman einen Club grundsätzlich als Nährbodenfür wirtschaftliche Aspekte im Bereich derMusikökonomie sehen. Egal, ob ein Clubbzw. die dahinterstehenden Betreiber:innenauf einen finanziell unabhängigen Kulturan-spruch setzen oder auf Gewinnmaximierungaus sind – der Ort ist immer auch Arbeits-platz und Teil einer wirtschaftlich-materiel-len und/oder wirtschaftlich-immateriellenWertschöpfungskette.Welche Rolle spielt die Clubkultur für dasNachtleben der Stadt?Clubs geben Raum für Menschen, die imAlltag oft gar nicht die Orte haben oder fin-den, an denen sie sich zugehörig und wohl-fühlen. In Clubs lassen sich„andere“ Formendes Seins, Handelns und Lebens erkunden.Das kann bewirken, dass dort die Freiheitentsteht, gesellschaftliche Verhaltensweisenzuzulassen, die sonst eher tabu wären, sichkaum ergeben oder ansonsten nur zufälligpassieren. Der Club bietet also eine frei-willige, psychosoziale Alltagsflucht – und dasHier kommt dann eine Club Commissionins Spiel?Ja genau. Allerdings hat nicht jede Stadteine Organisation wie die Club Commission.Die VCC versucht tatkräftig, die jeweiligenAkteur:innen in ihrem täglichen Schaffenzu unterstützen. Speziell in Wien ist dieClubszene stärker vernetzt und im Aus-tausch als in anderen Städten. Dadurchwerden Wissen, Erfahrungen und Ressour-cen schneller geteilt und die Szene kanninsgesamt resilienter und gemeinschaftlicheragieren.Wie würdest du das aktuelle Nachtlebenin Wien beschreiben?Es ist vielschichtig, lebendig und hat großesPotenzial. Wir haben eine Bandbreite anClubs, Veranstaltungsreihen und kulturellenExperimenten – von etablierten Clubs überkleine Nischen-Venues bis hin zu temporä-ren Pop-up-Projekten. Diese Vielfalt machtWien spannend, weil für nahezu jedesPublikum und jeden Musikgeschmack etwasgeboten wird. Gleichzeitig steht das Nacht-leben in Wien vor Herausforderungen undist unter den aktuellen Gegebenheiten nichtimmer stabil. Darauf müssen wir sehr gutachten, um die Existenz der Szene langfristigzu sichern.