6SCHAUFENSTER14 Ofenkacheln von Ignác Bizmayer(ÖMV/90542/000) – ein Neuzugangin die MuseumssammlungenVon dem slowakischen KeramikkünstlerIgnác Bizmayer(1922–2019) war bisher nurein einziges Objekt in den Sammlungenvertreten. Daher sind diese Neuzugänge,14 von ihm gestaltete Keramikobjekte, vonbesonderem Wert für das Volkskundemu-seum Wien.Zehn der Kacheln zeigen figurale Darstel-lungen. Die Geschichte, die sich dahinterverbirgt, ist ebenfalls von besondererBedeutung: Die Ofenkacheln mit dem Titel„Die Räuber“ stellen Juraj Jánošík(1688–1713)– Räuberhauptmann und slowakischerNationalheld – und seine Gefährt:innen dar.Jánošík diente als Symbol für Widerstandgegen die Obrigkeit und für soziale Gerech-tigkeit. Ihm wurde zugeschrieben, in Robin-Hood-Manier von den Reichen genommenund den Armen gegeben zu haben. Im19. Jahrhundert, im Rahmen der Suchenach einer eigenen nationalen slowakischenIdentität, wurde Jánošík zum Volkheldenstilisiert und seine idealisierte GeschichteTeil des kollektiven Gedächtnisses.Ignác Bizmayer war„Meister der Volks-kunstproduktion“ und modellierte Figurenaus Sagen und Legenden sowie Darstellungender slowakischen Landbevölkerung aus Ton,die er in der Technik der Fayence bemalteund glasierte. Mit seinen Plastiken prägte erdas Bild der slowakischen Volkskultur imIn- und Ausland mit. Das Volkskundemuseumwidmete ihm 2011 im Rahmen des von derEU geförderten Projekts TRA-KER eineEinzelausstellung unter dem Titel„FiguraleKeramik aus der Slowakei. Der Nationalkünst-ler Ignác Bizmayer“. Zur Ausstellung erschienein umfangreicher Katalog in deutscher undslowakischer Sprache.Diese Ofenkacheln wurden zwischen 1966und 1980 von Ignác Bizmayer hergestellt undwaren ab 1981 in München in einem Privat-haushalt in einem Kachelofen verbaut. Nachdem Umzug des Eigentümers nach Berlinblieben die abgetragenen Kacheln dort inVerwahrung, bis sich die neuen Eigentü-mer:innen im Frühjahr auf Grund derAusstellung von 2011 beim Museum meldetenund die Kacheln zum Kauf anboten.Mittels Kunsttransport wurden die KachelnAnfang Juni 2026 von Berlin nach Wien insDepot des Volkskundemuseum Wiengebracht und stehen nun für Ausstellungenund Forschungsprojekte zur Verfügung.Kathrin Pallestrang& Maria Raid,Sammlungen