Heft 
61 (2026) 3
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26I N T E R V I E WFotografieren hat überraschendwenig mit Technik zu tun,sondern sehr viel mit Menschenund Bewegung im RaumSeit zehn Jahren begleitet der FotografKramar Ausstellungen, Veranstaltungen undzuletzt auch die Baustelle des Volkskundemu-seums fotografisch. Im Gespräch erzählt ervon seiner Arbeit zwischen Dokumentationund Erzählung, von seiner Faszination fürSüdost- und Osteuropa, seine Liebe zu Stör-chen und davon, warum gute Schuhefür die Feldforschung unverzichtbar sind.Du dokumentierst das Volkskundemuseumjetzt schon seit rund zehn Jahren. Erinnerstdu dich an deinen ersten Auftrag bei uns?Ich erinnere mich vor allem an den erstenKontakt mit euch. Das war damals nochgar kein klassischer Auftrag, sondern imRahmen der Vienna Design Week. Ich habeim Volkskundemuseum fotografiert undziemlich schnell gemerkt, dass das ein sehrinteressantes Haus ist mit spannendenThemen und sehr interessanten Menschen.Kurz arauf ging es schon los mit den erstenAusstellungen und Veranstaltungen und­daraus hat sich über die Jahre eine sehrlange Zusammenarbeit entwickelt.In dieser Zeit hast du Ausstellungen, Ver-anstaltungen, Menschen und zuletzt auchdie Baustelle in der Laudongasse fotogra-fisch begleitet. Deine Bilder prägen das Bilddes Museums nach außen. Worauf achtestdu bei deiner Arbeit? Was macht ein gutesBild aus?Ein gutes Bild erzählt. Im Idealfall sogar aufmehreren Ebenen. Natürlich gelingt das nichtimmer, aber das ist das, was mich antreibtbei Veranstaltungen genauso wie bei Detailsoder Portraits. Ich habe beim Fotografierenoft eine Fragestellung im Kopf und versuche,sie über Bilder aufzulösen.Wichtig ist mir, dass Bilder zugänglich sind.Natürlich spielen technische Dinge wieSchärfe oder Lesbarkeit eine Rolle, aberentscheidend ist für mich, dass ein Bild etwasausdrücken möchte. Dass es funktioniert,weil es etwas erzählt.Besonders deine Portraits sind sehr­ausdrucksstark. Wie kommt das?Bei Portraits interessiert mich nie nur diePerson allein, sondern die Person in ihremUmfeld. Ein Mensch erzählt in seiner Umge-bung bereits eine Geschichte. Wenn manjemanden isoliert vor eine weiße Wandstellt, fehlt diese Ebene. Mich reizt eherdas Authentische die Beziehung zwischenPerson und Raum, zwischen Menschen undDingen.Du arbeitest auch an eigenen Langzeit-projekten, etwa rund um den Storch.Woher kommt dieses Interesse?Das hat tatsächlich auch mit meiner An--näherung an das Volkskundemuseum undethnografische Themen zu tun. Mich faszi-nieren Störche natürlich als Tiere, abervor allem interessiert mich die Beziehungzwischen Mensch und Storch also die­kulturelle, mythologische und symbolischeEbene.Es geht mir nicht um Naturfotografie imklassischen Sinn. Ich fotografiere nicht denperfekten Vogelflug. Mich interessiert, wieMenschen den Storch darstellen, welcheGeschichten sie über ihn erzählen, welcheBedeutung er hat. Das kann in Skulpturen,Zeichnungen, Erzählungen oder Ritualensichtbar werden.Und irgendwann habe ich bemerkt, wiepräsent dieses Tier in vielen Regionen­Südost- und Osteuropas ist. Der Storch istein unglaublich faszinierendes Tier elegant,