4SCHAUFENSTERKlaus Beitl(1929–2026)Klaus Beitl habe ich nur einmal persönlichgetroffen. Und doch war er seit 2020 einermeiner wichtigsten Gesprächspartner beider Aufarbeitung unserer Fotosammlung.Unser intensiver Austausch begann in derRuhe der Pandemie, in einer Zeit des Sich-tens, Wühlens, Ordnens und Verstehenwol-lens. Und bald wurde daraus ein verlässlicherGedanke: Was sich nicht klären lässt, frageich Klaus Beitl.Wer ist auf diesem Foto zu sehen? Wohinführte diese Reise? Wer pflanzte die Plataneim Museumshof? Was hat es mit einer altenNotentafel auf sich? Wo sind 500 verschol-lene Fotos? Und warum liegt Klaus Beitl aufeiner Aufnahme unter einem Altartisch?Immer kam prompt eine Antwort. Manchmalbegann sie mit„Einiges Nachdenken hatgeholfen!“, manchmal nannte er meineFragen seine„Hausaufgaben“. Seine Antwor-ten waren genau, umfassend, oft verschmitztund gingen über die eigentliche Frage hinaus.Wenn er selbst nicht weiterwusste, wussteer, wen man fragen konnte, stellte Kontakteher und brachte Menschen miteinander insGespräch.Das habe ich besonders bei Fotografienaus der Wendezeit 1989 erlebt. Bei derSuche nach ihrer Herkunft führte seinHinweis zu früheren slowakischen Kollegin-nen – und die Bilder bekamen Namen undGeschichten. Auch über die Aufbruchstim-mung in Berlin nach der Maueröffnung habenwir uns ausgetauscht.Klaus Beitl war von 1978 bis 1995 Direktordes Österreichischen Museums für Volks-kunde. In seine Zeit fallen die grundlegendeEinweihung der Baumbank im Innenhof des Volkskundemuseums anlässlichdes 65. Geburtstags von Klaus Beitl, 1994(s.„Lieblingsobjekt“, S. 30).Fotosammlung Volkskundemuseum Wien, Bestand Klaus Beitl