22I N T E R V I E W„Ich kann heute kaumnoch in einem Satz sagen,was Museumsarbeit ist“Eine Woche lang erlebten Studierendedas Volkskundemuseum Wien mitten imTransformationsprozess. Zwischen Depot,Baustelle, Sammlungsarbeit und neuenAusstellungsideen ging es um die Frage, wasein Museum heute sein kann und für wenes da ist. Im Gespräch erzählen Ida Weigele,Isabella Wasner-Peter und Helen Ahnervon ihren Eindrücken, überraschendenBegegnungen und der Verbindung vonUniversität und Museum.Könnt ihr euch kurz vorstellen und erzäh-len, was euch an das Museumscamp geführthat beziehungsweise was die Intention derLehrveranstaltung war?Ida Weigele:Ich bin Masterstudentin derEuropäischen Ethnologie in Wien. Alsich vom Museumscamp erfahren habe, warfür mich sofort klar, dass ich teilnehmenmöchte. Museen finde ich nicht nur alsmögliches Berufsfeld spannend, sondernauch als Besucherin. Mich interessiert,welche Rolle Museen in einer Stadt und inder Gesellschaft spielen. Darüber wollteich beim Camp mehr erfahren.Isabella Wasner-Peter:Ich habe 34 Jahre alsBibliothekarin gearbeitet und in der Alter-steilzeit begonnen, Europäische Ethnologiezu studieren. Das Volkskundemuseum kenneich schon seit meiner Kindheit. Früher habeich es vor allem mit alten Bauerntruhen undKachelöfen verbunden. Irgendwann passtendie Sonderausstellungen für mich nicht mehrrecht zur Dauerausstellung. Umso spannen-der fand ich es, den Transformationsprozessmitzuerleben und einen so offenen Einblickin die Arbeit und sogar in die Baustelle zubekommen.Helen Ahner:Ich bin Assistenzprofessorinam Institut für Europäische Ethnologie. EinSchwerpunkt meiner Professur ist materi-elle Kultur, und dazu gehört für mich auchdas Museum als zentraler Ort der Ausei-nandersetzung mit ihr. Die Idee für dasMuseumscamp entstand aus dem Wunsch,Studierenden einen praktischen Einblickin Museumsarbeit zu ermöglichen – einWunsch, der in der Österreichischen Gesell-schaft für Empirische Kulturwissenschaft undVolkskunde besprochen wurde und sich dannzur Idee eines Museumscamp weiterentwi-ckelt hat. Das Camp es ermöglichen, eineWoche lang konkret zu erleben, wie Muse-umsarbeit im Alltag funktioniert. Gleichzeitigwollten wir Studierende aus ganz Österreichaus dem Fach Europäische Ethnologie bzw.Empirische Kulturwissenschaft zusammen-bringen. Für mich war es außerdem eineschöne Gelegenheit, das Volkskundemuseumnoch besser kennenzulernen.Mit welchen Erwartungen seid ihr insCamp gestartet?Ida:Ich wollte die Schnittstelle zwischentheoretischer und praktischer Arbeitkennenlernen. Also nicht nur über Museennachdenken, wie wir es im Studium tun,sondern auch mit konkreten Objekten undArbeitsabläufen in Berührung kommen. DieseErwartung wurde auf jeden Fall erfüllt.Isabella:Ich war vor allem extrem neugierig.Ich wollte wissen, wie dieses neue Museumgedacht wird und wie der Transformations-prozess konkret aussieht.Helen:Ich hatte Erwartungen auf mehrerenEbenen: Ich hoffte auf eine gute gemein-same Erfahrung und darauf, dass wir alsGruppe fachlich und persönlich zusam-menfinden. Außerdem wollte ich vieleunterschiedliche Facetten des Museumskennenlernen. Beides wurde eher übertrof-fen. Ich hatte im Vorfeld auch ein bisschen