Heft 
H. 7+8
Seite
112
Einzelbild herunterladen
 

HINWEIS

Provenienzforschung im Volkskundemuseum oder:Puzzleteile finden und zusammenfügen

ProvenienzforschungVolkskundemuseum

im

bedeu-

tet, umfassende Recherchendurchzuführen zu den Vorbe-sitzerlnnen jener Objekte, diedas Museum zwischen 1938und 1945

abgemeldet nach" kann für dieFolgen nationalsozialistischerVerfolgungspolitik stehen: dieerzwungene Übersiedlungin eine Sammelwohnung fürJüdinnen und Juden oder dieinventarisierte. verfolgungsbedingte Emigrati-on oder die Deportation in einNS- Konzentrationslager.

Ausgangspunkt der Recher-chen bilden die museumsei-genen Quellen: Im Inventar-buch des Museums sowie aufder dazugehörigen Personen-karteikarte sind- fast immer

-

Namen und Vornamen derVorbesitzerin/ des Vorbesitzersvermerkt, häufig auch derenWohn- oder Geschäftsadresseund nicht zuletzt auch die Artder Erwerbung( Kauf, Tausch,Schenkung, usw.). Relevantkönnen auch die Herkunftsak-ten im Archiv des Museumssein, die zu zahlreichen Erwer-bungen vorhanden sind.

Als nächstes gibt die Melde-auskunft des Wiener Stadt- undLandesarchivs unverzichtbarebiografische Informationen zuden VorbesitzerInnen: Geburts-datum, Familienstand, etwai-ge frühere Namen, Familien-mitglieder, die an derselbenAdresse gemeldet waren, dieReligionszugehörigkeit sowiedie Eckdaten ihrer Wohnsitz-meldung in Wien. Und einmit Datum versehener Eintrag

Weiters sind die umfangrei-chen und gut aufbereitetenMaterialien der Kommissi-

on

für Provenienzforschungvon großer Bedeutung fürdie Recherchen: In den fast17 Jahren der Umsetzungdes Kunstrückgabegesetzes( BGBI| Nr. 181/1998) habendie ProvenienzforscherInnen

vieler Museen und Institutio-nen bereits zahllose Informati-onen zur Beraubung verfolgterMenschen zusammengetragenund profunde Dossiers für denKunstrückgabebeirat erstellt.Diese Materialien könnenaufgrund der engen Koopera-tion mit der Kommission auchfür die Provenienzforschung imVolkskundemuseum

werden.

genutzt

Ebenso nutzbar und zentralfür die Recherchen sind dieDatenbanken, die die Israeli-tische Kultusgemeinde Wienund der Nationalfonds für dieOpfer des Nationalsozialismus

in den letzten Jahren erstellthaben.

-

Nicht zuletzt finden sich auchim Internet zahlreiche Daten-banken zur NS- Forschungbeispielsweise auf der Websi-te des Dokumentationsarchivsdes Österreichischen Wider-standes( DÖW) in Wien, derGedenkstätte Yad Vashemin Jerusalem, des HolocaustMemorial Museums( USHMM)in Washington und des Bundes-archivs in Berlin.

Aus all diesen, meist puzzle-artig zusammenzufügendenInformationen gilt es dann,ein aussagekräftiges Dossierzu den Objekten und derBiografie der VorbesitzerInnenzusammenzustellen. Diesesdient dem Kunstrückgabe-beirat als Grundlage für seineEntscheidung, ob der seiner-zeitige Erwerb der Objekteunbedenklich oder bedenk-lich ist und die überprüftenObjekte dementsprechend imMuseum verbleiben könnenoder aber den Vorbesitzerln-nen bzw. deren Rechtsnachfol-gerlnnen zurückzugeben sind.

Claudia Spring

( Provenienzforscherin amVolkskundemuseum)

112

50. Jahrgang