HINWEIS
Apothekergefäß in der NeuerDings- Vitrine
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AQULAVANDUL
Diese Vierkantflasche aus Steinzeug wurde in Waldenburg, inSachsen, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Heilwas-serflasche hergestellt. Von Waldenburg wurde sie nach Egerin Böhmen gebracht, wo einer der örtlichen Zinngießer denSchraubverschluss fertigte und diesen mit dem Stadtwappenvon Eger( ein„ E" mit Krone) versah. Anschließend wurde dieFlasche mit Egerer„ Sauerwasser" gefüllt und verschickt. Sauer-wasser ist Mineralwasser mit natürlichem Kohlendioxidgehalt.Mit einem Pferdefuhrwerk kam sie nach Wien in das sogenann-te Sauerbrunnengewölbe im» Günterischen Haus/ auf dem altenKienmarkt/ neben dem roten Ygel«, heute Seitenstettengasse.Hier war eine Verkaufsstelle samt Lager, die den elf bürgerlichenApothekern in Wien gehörte, dem Collegium PharmaceuticumViennese.
Gekauft wurde die Flasche mit dem Egerer Sauerwasser voneinem finanziell sehr gut ausgestatteten Haushalt, denn das Heil-wasser war teuer. Die unter anderem harntreibende und leichtabführende Wirkung sollte dem Patienten Erleichterung verschaf-fen. Nach ihrer Leerung erhielt die Flasche eine sorgfältige undrepräsentative Bemalung und gelangte zur Wiederverwendungneuerlich in eine Apotheke. Dort wurde sie mit Lavendelwasser( AQU: LAVAN= DUL: in Wappenschild mit Herzogshut) gefülltund diente viele Jahr hindurch als Apothekergefäß.
Im Jahre 1895 wurde die Flasche als eines der ersten Objektein die Sammlung des Volkskundemuseums aufgenommen. Sieerhielt die Inventarnummer ÖMV/ 228 und gelangte zur Aufbe-wahrung in das Keramikdepot.
Aufgrund der Forschungen von Patrick Schlarb aus Frankfurt a.M. kann nun die Geschichte der Flasche erzählt werden. Sie gibtnicht nur Einblicke in Alltagskultur und Pharmaziegeschichte,sondern zeigt durch die Wege der Wiederverwertung und wiewertvoll früher jeder einzelne Gebrauchsgegenstand war.
Claudia Peschel- Wacha( Kuratorin)
50. Jahrgang