Heft 
H. 3+4
Seite
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LIEBLINGSOBJEKT

Ein Paar Lederschuhe aus Bosnien

Mein Lieblingsobjekt: eine Tracht vom albanischen Königshof? Das große Fas-tentuch aus Osttirol mit Mariendarstellungen? Eine wunderbar bestickte Schür-ze aus der Slowakei? Oder eine aus Dalmatien? Die Wahl ist schwer und siefällt schließlich auf ein Paar sogenannter Opanken aus Bosnien mit der Inven-tarnummer ÖMV/ 12.962/ a+ b, die 1902 ins Volkskundemuseum kamen.

Opanken aus Bosnien, seit 1902 in der Sammlung des Volkskundemuseums, Foto: Barbara Lipp

Was mich an diesen Schuhen be-rührt hat, als ich sie vor ungefährvier Jahren erstmals erblickte, warder archaische Eindruck, den sievermitteln. Sie sind kunstvoll ge-fertigt, das orange- braune Ledergeflochten und an den Seiten Me-tallschnallen zum Schließen, dochihre Sohlen sind mehrfach geflickt.Immer wieder wurden Leder- undFellstücke auf die vorhandenenSohlenreste genagelt, um ein wei-teres Tragen zu ermöglichen. Sieverweisen damit auf ein prekäresLeben, auf Ressourcenknappheitund auf Strategien zur Bewälti-gung dieser. Romantische Vorstel-lungen vom harten Leben tauchenauf. Dem ist immer zu misstrauenund daher schaue ich genauer hin,also zunächst ins Inventarbuch:

Das Paar Schuhe stammt ausBosnien. Bosnien wurde nachdem Türkisch- Russischen Krieg1877/78 gemeinsam mit der Her-zegowina unter die VerwaltungÖsterreich- Ungarns gestellt. Dieendgültige Einverleibung in dieHabsburgermonarchie 1908 warschließlich eine der Ursachen fürdas Attentat von Sarajewo, daszum Ersten Weltkrieg führte- da

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51. Jahrgang