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Und wieder Weltmuseum

In den vergangenen Wochenund Monaten werden Sie immerwieder von der Verkleinerungdes Weltmuseums Wien gelesenoder gehört haben. Das letztgül-tige Konzept soll zu Gunsten derInstallation eines Hauses der Ge-schichte redimensioniert werden.Jetzt könnte man sich fragen, wasgeht uns das an? Es betrifft unsinsofern, als beide Ethnologien- die Kultur- und Sozialanthropo-logie und die Europäische Ethno-logie und ihre jeweiligen Museenin Österreich kulturpolitisch unter-bewertet bleiben.

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Daher haben wir uns entschieden,die Kolleginnen und Kollegendes Weltmuseums Wien bei ih-ren Anliegen zu unterstützen undmöchten Ihnen auch via Nach-richtenblatt noch einmal unserenStandpunkt zukommen lassen:

Das Österreichische Museum fürVolkskunde befand sich mit demehemaligen Völkerkundemuseum dem heutigen Weltmuseumvon 2010 bis 2011 in einer frucht-baren Diskussion über eine mögli-che Fusion der beiden Häuser zueinem der größten Kulturenmuse-en Europas.

Das damals zuständige Ministe-rium und in Folge das Kunsthis-torische Museum konnten keine

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geeigneten Rahmenbedingungen schaffen, um eine durch einen par-lamentarischen Entschließungsantrag( SPÖ, ÖVP, GRÜNE) vom 30. Juni2010 geforderte Unabhängigkeit dieses Museums herzustellen. Dieräumliche, finanzielle und inhaltliche Autonomie war aber von Anfangan eine Forderung der fachlich zuständigen Diskussionspartner des Völ-kerkunde- sowie des Volkskundemuseums. Daher entschloss sich derVerein für Volkskunde im Frühling 2011, von diesem im Grunde sehrproduktiven Projekt Abstand zu nehmen.

Angesichts der gegenwärtigen Situation war das offenbar eine richtigeEntscheidung, da die Integration des ehemaligen Völkerkundemuse-ums in den Kulturkonzern KHM keinerlei positive Entwicklung zulieẞ.Das Museum ist mit ein paar Unterbrechungen mehr als 10 Jahre ge-schlossen. Dadurch gerät in Vergessenheit, welchen Anteil ein solchesMuseum an den gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskursen habenkönnte. Internationale Beispiele beweisen das auf unterschiedlichsteninhaltlichen Ebenen unter verschiedenen finanziellen Voraussetzungen.Kulturhistorische Museen ermöglichen als einzige die Verbindung re-zenter gesellschaftlicher Fragestellungen und Problemlagen mit derDarstellung und Analyse materieller Kultur. Als Archive unserer Gesell-schaft sind sie nicht nur Orte der Erinnerungskultur, sondern Laborato-rien der Zukunft.

Matthias Beitl

März- April 2015

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