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Derzeit in der NeuerDings- Vitrine desiVolkskundemuseums

40 Jahre Playmobil- 40 Jahre Geschlechterstereotype?

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LANCE

AMBULAN

F- ES 275

Krankentransporter mit den ersten weiblichen Playmobil- Figuren, Mitte der 1970er Jahre. Foto: Monika Maislinger

Das Kunststoffspielzeug Playmobil der Firma geob-ra Brandstätter kam im Jahr 1974 erstmals auf denMarkt. Das Volkskundemuseum kaufte anlässlich die-ses Jubiläums zwei Sets mit Playmobilfiguren aus derKollektion 2014. Ausgewählt wurden sie nach der kul-turwissenschaftlichen Kategorie Gender": eine Pa-ckung aus der Themenwelt, City Life"( Inventarnum-mer: ÖMV/ 87.174), gedacht für Mädchen, und eineaus, City Action"( ÖMV/ 87.175), gedacht für Buben.Viele Spielzeughersteller und Erzeuger von anderenProdukten für Kinder setzen in Angebot, Design undMarketing auf traditionelle Geschlechterstereotypemit der Begründung, dass dies von den Konsumen-tInnen so verlangt werde. Einerseits ist das ein Aus-druck eines neuen Traditionalismus als einer Folgeder Unsicherheit, die durch die Auflösung bestehen-der Gesellschafts- und Weltordnungen um 1990 zueinem bestimmenden Gefühl der Gegenwart wurde.Auf der anderen Seite werden die Wertepräferenzender Kundinnen durch das Gendermarketing der Fir-men nicht nur bedient, sondern verstärkt oder sogarerst erzeugt.

Erstmals wurden 1976 weibliche Playmobilfigurenverkauft. Ihr zugedachter Aufgabenbereich blieb bisheute vorwiegend traditionell: Haushalt, Pflege, Ein-kaufen. Einige dieser ersten Frauenfiguren, nämlichKrankenschwestern, erhielt das Museum dank einerSchenkung einer Mitarbeiterin( ÖMV/ 87.215). Siehatte als Kind in den 1970er Jahren mit den unter-schiedlichsten Themensets gespielt und damit Gen-dergrenzen verwischt. Eine solche Praxis ist auch imJahr 2014 anzutreffen. Vielfalt und eine kritische Ge-schlechteridentität sind nun einmal Teil der gesell-schaftlichen Realität. In den Welten der Spielwaren-hersteller spiegeln sie sich jedoch nicht wider.

Kathrin Pallestrang

Die ausführliche Langversion dieses Textes mit Lite-raturhinweisen finden Sie in: Österreichische Zeit-schrift für Volkskunde, Jg. 2014, Heft 3/4.

März- April 2015

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